plakatVom 29.6.2015 bis 25.9.2015 findet in der Volkshochschule Tübingen meine Ausstellung Künstliche Kunst – Grafiken zur frühen Computerkunst statt. Darin nehme ich explizit Bezug auf den Beginn der Computerkunst vor 50 Jahren. 1965 fand an der Universität Stuttgart die weltweit erste Ausstellung zur Computerkunst statt, organisiert von Max Bense, dem Stuttgarter Philosophen. Es folgten noch im selben Jahr weitere Ausstellungen in der New Yorker Howard Wise Gallery, in der Stuttgarter Szene-Buchhandlung Niedlich und dann 1968 die wegweisende Cybernetic Serendipity. Etwa 10 Jahre dauerte die Blütezeit der Computerkunst, die danach mehr oder weniger von der Bildfläche verschwand. Seit einigen Jahren ist das Interesse allerdings wieder erwacht und es wird ihre Rolle als Vorläufer und Wegbereiter der modernen Medienkunst anerkannt.

Mein eigener Zugang zur Computerkunst war einerseits die Diskussion der 70er Jahre zur Informationsästhetik von Max Bense, die ich damals allerdings als junger Student nur punktuell verfolgen konnte. Andererseits waren es später konkret die Grafiken von Georg Nees und Frieder Nake. Deren mit Plottern erzeugten Grafiken wiesen direkte Parallelen auf zur Erzeugung der Schildkrötengrafiken mit der Programmiersprache Logo. Mit ihr habe ich mich als Mediendidaktiker intensiver beschäftigt und dies aktuell mit der visuellen Programmierumgebung Snap! fortgeführt. Resultat sind Grafiken mit vielen Ähnlichkeiten zu den Werken von Nees, Noll, Nake, Molnar und anderen. Die meisten Grafiken sind deshalb direkte Hommagen an diese  Pioniere der Computerkunst.

Im Folgenden möchte ich die einzelnen Exponate näher vorstellen, auch mit Hinweisen zur technischen Realisierung (wofür ich die visuelle Programmierumgebung Snap! verwendet habe). Zwar haben die Algoristen praktisch immer ihre eigenen Algorithmen für die Produktion ihrer Bilder entwickelt, leider aber in den seltensten Fällen dokumentiert (falls es die doch irgendwo gibt, wäre ich für jeden Hinweis dankbar!). Deshalb habe ich für typische Beispiele versucht, mit eigenen Algorithmen ähnliche Bilder zu erzeugen.

Es sollen nun nicht alle Prozeduren, die zu meinen Grafiken geführt haben, einzeln besprochen, sondern jeweils nur der Weg zum Ergebnis angedeutet werden (für alle, die selber Computerkunst analysieren, nachempfinden, nachprogrammieren und daran anknüpfend eigene Varianten umsetzen wollen, biete ich an der vhs Tübingen einen Workshop Computerkunst selber machen an). Ich habe versucht, meine Umsetzung so kompakt und gleichzeitig so flexibel wie möglich zu formulieren. Tatsächlich reichten meist  jeweils ca. 20 – 30 Codezeilen, verteilt auf 4 bis 6 Prozeduren. Da ich alle relevanten Eigenschaften über Parameter einstellbar machte, konnte ich in kürzester Zeit viele Bildvarianten erzeugen – wozu die Algoristen mit Plottern sicher Stunden gebraucht haben.

Die Ausstellung zeigt folgende Exponate, nach Werkautoren geordnet:

Mein Dank gilt der Volkshochschule Tübingen, namentlich Frau Bachmann für die Unterstützung der Idee zu dieser Ausstellung. Mein Wunsch wäre, die Bilder wecken Interesse, sich intensiver mit dieser Phase der Medienkunst zu beschäftigen.