LABORfenster 2023

Im LABORfenster Tübingen fand vom 21. Oktober – 9. Dezember 2023 die Schaufensterausstellung Bilder Denken statt Malen! statt, in der ich Beispiele Algorithmischer Kunst zeigte: Bildideen werden mit Hilfe des Computers auf dem Bildschirm oder als Drucke sichtbar gemacht.

Ausführliche Informationen zu den Exponaten: Schotter, Rasterverschiebung, 100 Linien

Zum Thema: Bilder denken statt malen geht zurück auf Frieder Nake, einen der Pioniere der Computerkunst, der Mitte der sechziger Jahre an den weltweit ersten Ausstellungen dazu beteiligt war. Auch meine Arbeiten zählen zu hierzu, denn sie entstehen alle am Computer und werden auch maschinell zu Papier oder auf andere Bildträger gebracht.

Nake will mit seinem Satz zwei Ebenen differenzieren: erstens die Oberfläche der Bilder. Das ist das, was wir als Betrachtende sehen – und dann zweitens die Unterfläche der Bilder, die uns in der Regel verborgen bleibt, aber ohne die es die Bilder nicht geben würde, nämlich die Algorithmen zur Beschreibung ihres Entstehungsprozesses. Das war das radikal Neue an der Computerkunst. Heute spricht man treffender von Algorithmischer Kunst beziehungsweise Generativer Kunst.

Mein Beispiel Schotter ist der Remix eines Bildes von Georg Nees, auch einer der Pioniere. Was sehen wir? Ganz oben nebeneinander gereihte Quadrate und darunter dann weitere Quadratreihen. Dabei nimmt die Abweichung der Quadrate von einer senkrechten Ausrichtung von oben nach unten immer mehr zu. Damit ist Schotter ein ganz typisches Beispiel für das Zusammenspiel von Ordnung und Zufall. Das Ordentliche ist die Anordnung der Quadrate in Reihen und Spalten. Das Zufällige ist deren Ausrichtung. Dieses Grundschema bietet nun vielfältige Möglichkeiten zur Variation wie die anderen Bilder zeigen. Das Interessante ist, dass es sich bei den Variationen im Grunde um dasselbe Programm handelt, bei dem lediglich programmintern gesteuert wird, was verändert wird und welche Rolle der gelenkte Zufall spielt.

Für Nake ist das ein ganz zentraler Aspekt: die Algorithmen beschreiben nicht ein einzelnes Bild, sondern eine ganze Klasse von Bildern (letztlich unendlich viele). Das gezeigte Exponat ist nur ein Repräsentant dieser Klasse.