Eröffnung meiner Digital Art Gallery

NeesSchotterMit der Digital Art Gallery (ab jetzt zu finden im Menüpunkt DAG) möchte ich einige Ergebnisse meines Recoding & Remixing der frühen Computerkunst und anderer Kunstrichtungen dokumentieren. Die Sammlung soll fortlaufend ergänzt werden.

For my english speaking visitors: all explanations in DAG will be given in English!

Die Programmierung aller Bilder erfolgte mit der visuellen Programmierumgebung Snap!, die ich an anderer Stelle ausführlicher vorstellen werde.

Die Sammlung wird eröffnet mit dem Bild Schotter, einem Klassiker, der auf Georg Nees zurück geht, einen der Pioniere der Computerkunst:

 

Georg Nees (1926 – 2016)

Am 3. Januar 2016 ist Georg Nees gestorben. Er gilt als Pionier der Computerkunst. Schließlich war er 1965 weltweit der Erste, der mit dem Computer erstellte Grafiken in einer Ausstellung präsentierte. Organisiert wurde diese von Max Bense, bei dem Nees 1968 dann auch promovierte.

NeesSchotterFür mich ist Georg Nees aus mehreren Gründen wichtig und erinnerungswürdig. Seine Grafik Schotter ist sicher eines der bekanntesten Bilder der Computerkunst überhaupt, das in sehr vielen Publikationen wiedergegeben ist. Zum anderen war es das erste Werk der Computerkunst, mit dem ich mich überhaupt näher befasst habe. Von mir entstand 1989 eine erste eigenständige Umsetzung davon mit einer Logo-Version (der Schildkrötengrafik), die im Rahmen eines Fernstudienprojekts Lehren und Lernen mit dem Computer entwickelt und vertrieben wurde. Erst letztes Jahr bin ich im Rahmen meiner Arbeiten zur frühen Computerkunst wieder darauf gestoßen. Noch bzw. gerade heute lesenswert ist seine Dissertation, die 1969 unter dem Titel Generative Computergraphik als Buch erschienen ist (inzwischen bei diaphanes als E-Book wieder erhältlich). Er behandelt das Thema Computergraphik zugleich aus informatischer und philosophisch-ästhetischer Sicht. Darin dokumentiert er übrigens (als einer der ganz Wenigen) die Algorithmen zu seinen Bildbeispielen, also auch zu Schotter (a.a.O. S. 241 u. 186).

Ein zweites wichtiges Buch hat er 1995 mit Formel, Farbe, Form: Computerästhetik für Medien und Design vorgelegt (leider nur noch antiquarisch erhältlich). Aus der Einleitung: Dieses Buch ist der Herstellung, dem Verständnis und der gedanklichen Bewältigung von geometrischen Bildern gewidmet, die mit Hilfe des Computers in unsere Zeichenwelt eintreten. Nees behandelt darin die Grundlagen einer experimentellen Ästhetik und ermöglicht die praktische Annäherung mit vielen Bildern und Beispielprogrammen (in der Programmiersprache BASIC). Das macht das Werk gleichzeitig zu einem Bilderbuch und Experimentierleitfaden.

So bleibt Georg Nees nicht nur als Computerkünstler in Erinnerung, sondern auch als jemand, der von Anfang an sein Gebiet der Generativen Computergraphik niedrigschwellig für jedermann zugänglich machen wollte.