Neu: Mein Buch CODIERTE KUNST

Hervorgehoben

Es ist soweit: Nach einigen unfreiwilligen Verzögerungen ist mein Buch „Codierte Kunst – Kunst Programmieren mit Snap!“ fertig.

Aus der Ankündigung: Programmieren lernen und dabei von Anfang an ästhetische grafische Objekte erzeugen? Dieses Buch will zeigen, dass – und wie – es funktioniert. Die hier verwendete visuelle Programmierumgebung Snap! bietet mit der Schildkrötengrafik nämlich einen idealen Einstieg für das Erzeugen ansprechender Grafiken (wichtiger Hinweis: Fast alle Beispiele lassen sich auch mit Scratch und vergleichbaren Programmierumgebungen realisieren; zumeist ohne oder mit nur kleinen Anpassungen). Mit dem Prinzip des Lernens nach Bedarf werden leistungsfähige Konzepte und anwendungsorientierte Erweiterungen jeweils dann eingeführt, wenn sie für das Recoding bestimmter interessanter Beispiele der frühen Computerkunst benötigt werden. Das Erlernte kann dann auf das Remixing, d.h. die Erweiterung und Variation dieser Beispiele sowie die Entwicklung eigener Werke angewandt werden.

Es werden Beispiele als Hommagen an die Pioniere der frühen Computerkunst behandelt, unter anderem Werke von Georg Nees, Frieder Nake, Michael Noll, Vera Molnar und vielen anderen. Außerdem werden Verbindungen hergestellt zu Vertretern der Konzeptkunst, wie Sol LeWitt, oder der Op Art, wie Bridget Riley. Neben zahlreichen Illustrationen zum Text enthält der durchgehend farbig gedruckte Band 101 (überwiegend ganzseitige) Bilder, die Ergebnisse des Recoding und Remixing der Beispiele der frühen Computerkunst darstellen. Herausgekommen ist so eine Mischung aus Bildband und Programmierleitfaden.

Ausführliche Informationen gibts auf einer eigenen Website: http://codiertekunst.joachim-wedekind.de

For my english speaking visitors:

The time has come: After some involuntary delays, my book „Codierte Kunst – Kunst Programmieren mit Snap!“ is finished.

All informations are also available in english on a special website: http://codedart.joachim-wedekind.de

Malmaschinen

Im Rahmen der Ausstellung Roboter im Stadtmuseum Tübingen habe ich einen Vortrag zum Thema „Eine kleine Geschichte der Malmaschinen“ gehalten. Der Bogen reichte von mechanischen Hilfswerkzeugen bis zur Bilderzeugung mit neuronalen Netzen. Die Verschriftlichung dieses Vortrags findet sich hier unter Malmaschinen.

Scratch2017: Recoding & Remixing ComputerArt

At the the Scratch2017-Conference in Bordeaux, I had the opportunity to present my work on Computer Art. After I had already sketched the idea for Recoding early computer art at the Scratch2015-Conference in Amsterdam), this time I was able to present concrete results. The experience with the participation in exhibitions and presentations had led me to develop a concept for the introduction into the programming on the basis of the Recoding & Remixing ComputerArt In book form (the book hopefully will be available at the end of the year). Weiterlesen

Neu in meiner Digital Art Gallery

Hervorgehoben

Neu in meiner DAG findet sich das Bild Permutation (nach Reiner Kallhardt).

Einige frühe Computerkünstler beschränkten sich nicht auf die Erstellung von Grafiken, sondern bewegten sich auch in den Kunstgattungen Film, Musik, Bildhauerei oder auch Lyrik. So hat Reiner Kallhardt das Arbeiten mit computergenerierten Texten mit deren grafischer Umsetztung verbunden.

For my english speaking visitors: all explanations in DAG are also given in English!

Eröffnung meiner Digital Art Gallery

NeesSchotterMit der Digital Art Gallery (ab jetzt zu finden im Menüpunkt DAG) möchte ich einige Ergebnisse meines Recoding & Remixing der frühen Computerkunst und anderer Kunstrichtungen dokumentieren. Die Sammlung soll fortlaufend ergänzt werden.

For my english speaking visitors: all explanations in DAG will be given in English!

Die Programmierung aller Bilder erfolgte mit der visuellen Programmierumgebung Snap!, die ich an anderer Stelle ausführlicher vorstellen werde.

Die Sammlung wird eröffnet mit dem Bild Schotter, einem Klassiker, der auf Georg Nees zurück geht, einen der Pioniere der Computerkunst:

 

Ausstellung Kunst und Computer

ankuendigungsttwhoOktober 2016: Mit meiner neuen kleinen Ausstellung Kunst und Computer habe ich ein Heimspiel. Sie findet vom 18.10.2016 bis 25.11.2016 im Stadtteiltreff Waldhäuser-Ost in Tübingen statt. Sie geht über das Thema der Ausstellung Künstliche Kunst (2015) hinaus, weil sie exemplarisch zeigt, wie ästhetische Objekte mit den Merkmalen Farbe, Fläche und Interaktion erzeugt werden können.

Einleiten werde ich die Vernissage am 18.10 um 18:00 mit einem Kurzvortrag Kreatives Arbeiten mit dem Computer, mit dem ich einerseits – ausgehend von den Merkmalen der frühen Computerkunst – die Charakteristika der gezeigten Grafiken erläutern werde. Andererseits möchte ich mit einem Programmbeispiel andeuten, wie leicht alle Interessierten mit kostenlos zugänglichen Werkzeugen eigene Medienkunst erstellen können. Das Werkzeug meiner Wahl dafür ist natürlich nach wie vor Snap!.

[un]erwartet.Die Kunst des Zufalls

Neben Wiederholungen und Variationen spielt bei der Computerkunst der Zufall eine große Rolle. Es ist deshalb kein Zufall (ähem!), dass in der Ausstellung [un]erwartet.Die Kunst des Zufalls im Kunstmuseum Stuttgart (noch zu sehen bis 19.02.2017) ihr mehr als ein eigener Raum gewidmet ist. Werke der Pioniere Nees, Nake, Mohr, Molnar oder von Graevenitz sind vertreten. Ihre große Nähe zur konkreten Kunst belegen die gezeigten Arbeiten von Morellet, Lacroix oder Sýkora. Weiterlesen

Malmaschinen analog & digital

Eher zufällig hat mich die Beschäftigung mit digital art zurück zu analogen Malmaschinen geführt. Der (Buch)Designer Joe Freedman, der auch optische Spielzeuge und Aufklapp-Bilderbücher gestaltete, hat wunderschöne Malmaschinen aus Holz gefertigt. Das reicht vom klassischen Harmonograph über die PrimoGraf und die DuoGraf Malmaschine bis zur komplexesten, der Cycloid Malmaschine. Leider sind diese über kickstarter finanzierten Produkte inzwischen alle vergriffen. Wayne Schmidt hat einen begeisterten Review verfasst. Sein Video demonstriert sowohl die mechanische und designerische Qualität als auch die enorme Brandbreite an Variations- und damit Gestaltungsmöglichkeiten:

Vom dänischen Künstler Eske Rex gibt es ziemlich monumentale Malmaschinen (Drawing machine, Drawing Machine #2), zwar mit weniger Einstellungsmöglichkeiten (es handelt sich einfach um große Doppelpendel), die aber großdimensionierte Bilder produzieren. Das reizt eventuell zum Selbermachen. Machbar ist sowas z.B. mit zwei gekoppelten Plattenspielern.

Mit einem eleganten Schlenker kann ich nun aber wieder den Bezug zu digital art herstellen, denn Jim Bumgardner hat eine Simulation der Cycloid Drawing Machine mit Hilfe von Processing programmiert. Da er das mit Kenntnis und Unterstützung von Joe Freedman gemacht hat, ist eine frappierend realistische Umsetzung gelungen. Am besten selber ausprobieren; die Maschine läuft im Browser.

DrawingMachine
Eigentlich müsste sich eine (evtl. vereinfachte) Version davon mit Snap! realisieren lassen; mit nested sprites z.B., das wär noch was …

Von der Computerkunst zur Medienkunst

Seit kurzem ist meine Hardware-Ausstattung um zwei Geräte angewachsen, den PiZero und den Raspberry Pi 3. Beides sind Einplatinencomputer der Raspberry Pi Foundation, die 2012 mit dem Raspberry Pi Model A den Grundstein für eine kleine Rechnerfamilie gelegt hat: Noch 2012 folgte Model B, 2013 dann Model A+ und B+, Februar 2015 dann Raspberry Pi 2 Model B, November 2015 der Pi Zero und Februar 2016 nun der Raspberry Pi 3, jeweils mit immer verbesserten Ausstattungsmerkmalen.
PiZeroraspberry3Pi Zero (links), Pi 3 (rechts)

Das Interessanteste an dem Gerät sind die Erweiterungsmöglichkeiten über eine frei programmierbare Schnittstelle GPIO. Darüber sind alle möglichen Sensoren, Displays und Erweiterungsplatinen (sogenannte HATs: Hardware Attached on Top) anschließ- und ansteuerbar. Derzeit  habe ich davon den Unicorn Hat, der eine steuerbare 8×8 Matrix  bietet, die für Pixel-Kunst und Farbspiele geeignet ist. Dazu kommt der Skywriter Hat, mit dem über das Abtasten des elektrischen Nahfelds 3D-Tracking und Gestensteuerung unterstützt wird.

UnicornHatskywriter

 

 

 

 

 

 

Ich selbst will diese Komponenten für eine erste Installation zur Computerkunst verwenden. Da Scratch unter dem Betriebssystem Raspian bereits unter den vorinstallierten Programmierumgebungen zu finden ist, kann ich viele meiner sonst mit Snap! codierten Beispiele leicht replizieren und präsentieren (beim Raspberry finden sich bereits neun Programmierumgebungen vorinstalliert, z.B. für Python und Java. Auch Processing wird unterstützt).

zufallssterneIch habe ich das Gefühl, dass aus dem Zusammenspiel der neuen technischen Möglichkeiten mit meinen bisherigen Arbeiten die Entwicklung ganz neuer Ideen angeregt werden, eben weil die Umsetzung damit plötzlich technisch leichter und finanziell machbar geworden ist. In meinem Fall wird es der Schritt von statischer Computerkunst zu dynamischen, interaktiven Installationen sein … so hoffe ich jedenfalls!

Georg Nees (1926 – 2016)

Am 3. Januar 2016 ist Georg Nees gestorben. Er gilt als Pionier der Computerkunst. Schließlich war er 1965 weltweit der Erste, der mit dem Computer erstellte Grafiken in einer Ausstellung präsentierte. Organisiert wurde diese von Max Bense, bei dem Nees 1968 dann auch promovierte.

NeesSchotterFür mich ist Georg Nees aus mehreren Gründen wichtig und erinnerungswürdig. Seine Grafik Schotter ist sicher eines der bekanntesten Bilder der Computerkunst überhaupt, das in sehr vielen Publikationen wiedergegeben ist. Zum anderen war es das erste Werk der Computerkunst, mit dem ich mich überhaupt näher befasst habe. Von mir entstand 1989 eine erste eigenständige Umsetzung davon mit einer Logo-Version (der Schildkrötengrafik), die im Rahmen eines Fernstudienprojekts Lehren und Lernen mit dem Computer entwickelt und vertrieben wurde. Erst letztes Jahr bin ich im Rahmen meiner Arbeiten zur frühen Computerkunst wieder darauf gestoßen. Noch bzw. gerade heute lesenswert ist seine Dissertation, die 1969 unter dem Titel Generative Computergraphik als Buch erschienen ist (inzwischen bei diaphanes als E-Book wieder erhältlich). Er behandelt das Thema Computergraphik zugleich aus informatischer und philosophisch-ästhetischer Sicht. Darin dokumentiert er übrigens (als einer der ganz Wenigen) die Algorithmen zu seinen Bildbeispielen, also auch zu Schotter (a.a.O. S. 241 u. 186).

Ein zweites wichtiges Buch hat er 1995 mit Formel, Farbe, Form: Computerästhetik für Medien und Design vorgelegt (leider nur noch antiquarisch erhältlich). Aus der Einleitung: Dieses Buch ist der Herstellung, dem Verständnis und der gedanklichen Bewältigung von geometrischen Bildern gewidmet, die mit Hilfe des Computers in unsere Zeichenwelt eintreten. Nees behandelt darin die Grundlagen einer experimentellen Ästhetik und ermöglicht die praktische Annäherung mit vielen Bildern und Beispielprogrammen (in der Programmiersprache BASIC). Das macht das Werk gleichzeitig zu einem Bilderbuch und Experimentierleitfaden.

So bleibt Georg Nees nicht nur als Computerkünstler in Erinnerung, sondern auch als jemand, der von Anfang an sein Gebiet der Generativen Computergraphik niedrigschwellig für jedermann zugänglich machen wollte.